Therapeutic Touch: Berührung stärkt die Energie

Wenn zwei Menschen sich berühren, fließt Energie – oder? (Foto: bildwerk_hd / Fotolia)
Wenn zwei Menschen sich berühren, fließt Energie – oder? (Foto: bildwerk_hd / Fotolia)

Therapeutic Touch versteht sich als energetische Komplementärmethode.

(dbp/nas) Hand auflegen tut gut: Leidet ein Baby unter Koliken und weint, reibt ihm die Mutter instinktiv das Bäuchlein. Berührungen haben eine ganz besondere Kraft. Bei „Therapeutic Touch“ – gezielte therapeutische Berührung – wird genau diese Kraft genutzt. Empathie ist dabei entscheidend, sagt Anja Homeyer, Therapeutic-Touch-Lehrerin und -Anwenderin.

Die Methode wurde 1972 in den USA von Dolores Krieger und Dora Kunz für Menschen in Heil- und Pflegeberufen entwickelt. In Einrichtungen kann Therapeutic Touch in den Pflegealltag integriert werden, außerhalb dient es der Gesundheitsvorsorge. Ihre Anwender nennen sich Practitioner – Praktizierende.

Vier Schritte, um den Energiefluss zu harmonisieren

„Es ist eine ganzheitliche standardisierte Pflegeintervention“, erklärt Anja Homeyer. Intention und Zentrierung seien wichtig, um eine tiefe Entspannung des Practitioners zu erreichen, die sich dann auf den Patienten überträgt – „in Lichtgeschwindigkeit“, so Homeyer. In vier Schritten geht es darum, den Energiefluss im Körper eines Patienten zu harmonisieren. Damit stehe Therapeutic Touch in der Tradition alter Heilweisen. „Die chinesische Medizin zum Beispiel hat auch schon immer mit dem Energiesystem gearbeitet“, erläutert die Heilpraktikerin.

Der erste Schritt ist das „Zentrieren“: Dass der Practitioner seine eigene Mitte findet und aus der Ruhe heraus agiert, ist grundlegend. Dann folgt das „Assessment“, das Ertasten des Energiefeldes. Dabei sei es auch wichtig, Körperhaltung, Mimik und Gestik wahrzunehmen. Bei der eigentlichen Behandlung wird das Energiefeld „geglättet“ – also ein Ausgleich zwischen den Bereichen geschaffen, wo zu viel oder zu wenig Energie sitzt. Eine Evaluation bildet den Abschluss. Die Hände werden dabei entweder aufgelegt oder streichen nah am Körper entlang.

Keine Heilmethode, sondern Ergänzung

Therapeutic Touch stellt keine Heilbehandlung dar, sondern versteht sich als eine Ergänzung der Schulmedizin, betont Anja Homeyer. Die Entspannung steht im Vordergrund. Und die könne schon eine Menge bewirken. Ängstlichkeit und Stress sowie die Symptome einer Erkrankung können reduziert werden, die Vital- und Selbstheilungskräfte werden aktiviert.

Laut des deutschen „Therapeutic Touch Netzwerks“ gibt es mehr als 600 Veröffentlichungen, die die Wirksamkeit der Komplementärmethode belegen. Eine Studie in Spanien habe beispielsweise gezeigt, dass die Anwendung von Therapeutic Touch Komplikationen bei Frühgeborenen reduziert.

Therapeutic Touch hat laut Anja Homeyer positive Auswirkungen sowohl auf den Patienten als auch auf den Practitioner, und werde daher auch in einer Klinik für das Pflegepersonal angeboten.