Kein Brot, kein Bier, kein Bonbon

Roggenbrot enthält viele Kohlenhydrate und gehört somit bei einer Low Carb-Ernährung nicht auf den Speiseplan. (Foto: A_Lein / Fotolia)
Roggenbrot enthält viele Kohlenhydrate und gehört somit bei einer Low Carb-Ernährung nicht auf den Speiseplan. (Foto: A_Lein / Fotolia)

Bei einer Low Carb-Ernährung verzichtet man weitgehend auf Kohlenhydrate.

(dbp/mhk) Mit der Low Carb-Ernährungsform versuchen viele Menschen, ihre Pfunde purzeln zu lassen. Sie reduzieren den täglichen Anteil der Kohlenhydrate oder verzichten ganz auf Nudeln, Reis, Kartoffeln, Brot und Co. Auf dem Speiseplan stehen vielmehr Gemüse, viel Milchprodukte wie Butter, Sahne, Käse sowie Fisch, Fleisch und letztlich viel Eiweiß. „Eine genaue Definition gibt es nicht“, sagt Dipl. oec. troph. Isabelle C. Keller, Diplom-Ökotrophologin und Diätexpertin bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) e. V., „der Begriff Low Carb (deutsch: Kohlenhydratminimierung) ist eher schwammig“.

Es gibt verschiedene modifizierte Konzepte, deren Regeln teilweise stark voneinander abweichen: Hollywood-Star-, Dukan-Diät, Logi-, Montignac- oder Mayo-Methode. Die einen verzichten auch auf Obst und Gemüse, die anderen meiden nur die Zufuhr von Kohlenhydraten mit hohem glykämischen Index. Dieser unterscheidet kohlenhydrathaltige Lebensmittel nach ihrer Wirksamkeit auf den Blutzuckerspiegel. Der bekanntesten und radikalsten Form zufolge, der Atkins-Diät, muss man zu Beginn zum Beispiel fast komplett auf Kohlenhydrate verzichten. Der Konsum von Fleisch, Fisch, Eiern und Käse kann hingegen ungebremst erfolgen. „Das bedeutet im Umkehrschluss jedoch immer mehr Eiweiß und mehr Fett“, gibt Keller zu bedenken.

Kurzfristig purzeln die Pfunde

„Kurzfristig lässt sich so rasch Gewicht reduzieren“, so die Expertin. „Das motiviert sicherlich. Meist beruht die Gewichtsabnahme auf der Tatsache, dass Menschen einfach weniger Kalorien zu sich nehmen.“ Ob Low Carb auch langfristig erfolgreich eine Gewichtsabnahme oder -stabilisierung ermöglicht, ist laut Keller wegen mangelnder Langzeitstudien noch unklar. Gesundheitsrisiken seien ebenfalls nicht komplett ausgeschlossen.

Ein hoher Anteil an Eiweiß und Fett in der Nahrung, insbesondere „schlechte“ Fette, könne auf Dauer ungünstige Auswirkungen auf den Körper haben, zum Beispiel Herz- und Kreislauferkrankungen oder Nierenprobleme. Bei der Frage der „richtigen“ Ernährung komme es allerdings nicht nur auf die Menge an, entscheidend sei auch die Qualität der Nährstoffe.  „Vorteilhaft bei der Fettauswahl sind ungesättigte Fettsäuren, wie Pflanzenöle, Raps, Walnuss, Seefisch.“ Im Austausch gegen gesättigte Fettsäuren haben sie einen positiven Einfluss auf unsere Blutfettwerte.

Energiebilanz ist entscheidend

Der Vorteil von Kohlenhydraten, bevorzugt ballaststoffhaltiger Lebensmittel und Vollkornprodukte, ist gut belegt: Sie gehören neben Fett und Eiweiß zu den Hauptbestandteilen unserer Nahrung und werden vom Körper zur kurzfristigen Energiegewinnung genutzt. Benötigt der Körper gerade keine Energie, wandelt er die Kohlenhydrate zu Fett um. Gute Kohlenhydrate sind Vollkornprodukte, wie Haferflocken und -brot, Kartoffeln, Hülsenfrüchte. Isst man mehr Vollkornprodukte sinkt beispielsweise das Risiko für Diabetes oder Herzerkrankungen, „und man wird vor allem satt“, so die Expertin.

Egal ob Low Carb oder Low Fat, „man muss eben auf die Zusammensetzung und Auswahl der richtigen Nährstoffe achten“, sagt Keller. „Um Übergewicht zu vermeiden oder abzubauen, ist in erster Linie die Energiebilanz entscheidend. Ein langfristige Ernährungsumstellung hin zu einem gesunden Lebensstil sollte das Ziel sein.“ Wie eine vollwertige Ernährung dazu beitragen kann, zeigen die zehn Regeln auf der Internetseite der DGE.

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Quellenangaben:
Informationen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) e. V (www.dge.de), der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG) e.V. (www.adipositas-gesellschaft.de); Evidence-Based Guideline of the German Nutrition Society: Carbohydrate Intake and Prevention of Nutrition-Related Diseases, Ann Nutr Metab 2012;60 (Suppl. 1):1-58 (DOI: 10.1159/000335326) (www.dge.de/wissenschaft/leitlinien/leitlinie-kohlenhydrate/); Lydia A. Bazzano, MD, PhD, MPH; Tian Hu, MD, MS; Kristi Reynolds, PhD; Lu Yao, MD, MS; Calynn Bunol, MS, RD, LDN; Yanxi Liu, MS; Chung-Shiuan Chen, MS; Michael J. Klag, MD, MPH; Paul K. Whelton, MD, MSc, MB; and Jiang He, MD, PhD: Effects of Low-Carbohydrate and Low-Fat Diets: A Randomized Trial, Fachblatt "Annals of Internal Medicine". 2 September 2014 (http://annals.org/article.aspx?articleid=1900694); Interview am 11.12.2015 mit Dipl. oec. troph. Isabelle C. Keller (Referat Öffentlichkeitsarbeit der DGE)