Hören trotz Taubheit

Bei einem Cochlea-Implantat wandelt ein individuell angepasster Sprachprozessor außen am Kopf die Töne in elektrische Signale um und leitet diese über Elektroden ins Innenohr weiter.  (Foto: Fotolia / Monika Wisniewska)
Bei einem Cochlea-Implantat wandelt ein individuell angepasster Sprachprozessor außen am Kopf die Töne in elektrische Signale um und leitet diese über Elektroden ins Innenohr weiter. (Foto: Fotolia / Monika Wisniewska)

Wie Cochlea-Implantate die Funktion des geschädigten Innenohrs übernehmen.

(iwg/wgt/fru) Was es bedeutet, nicht zu hören, kann man als Mensch mit einem gesunden Gehör nur erahnen. Lässt das Gehör nach, geht das oft auch mit Kontaktlosigkeit und verminderter Teilhabe am sozialen Leben einher. Das muss nicht sein. Selbst wenn herkömmliche Hörgeräte nicht mehr helfen, kann sich für Schwerhörige die Welt der Töne wieder öffnen. Möglich macht das eine elektronische Innenohr-Prothese, ein sogenanntes Cochlea-Implantat (CI). Das künstliche Sinnesorgan übernimmt bei hochgradig Schwerhörigen und Gehörlosen die ausgefallenen Funktionen im Innenohr.

Individuell angepasster Sprachprozessor

„Voraussetzung für eine erfolgreiche Implantation ist ein gesunder Hörnerv“, erklärt die Deutsche Cochlea Implantat Gesellschaft (DCIG). Ob dieser intakt ist, wird i. d. R. in einer Hals-Nasen-Ohren-Klinik festgestellt. Außerdem sollten bei der Untersuchung die Hohlräume der Hörschnecke normal entwickelt und noch mit Flüssigkeit gefüllt sein. Ein Cochlea-Implantat ist für Erwachsene geeignet, die nach dem Spracherwerb schwerhörig geworden oder ertaubt sind – z. B. durch Lärm oder nach einem Hörsturz. Gehörlosen Erwachsenen, die nie die Lautsprache erlernt haben, bringt das Implantat nichts.

„Außerdem eignet es sich für hochgradig schwerhörig oder gehörlos geborene Kinder, die mit dem CI die Lautsprache erwerben können“, so die DCIG weiter. Bei Kindern, die gehörlos geboren wurden oder ihr Gehör vor dem Erlernen der Sprache verloren haben, empfehlen Experten eine frühestmögliche Versorgung mit einem Cochlea-Implantat. Denn Erfahrungen haben gezeigt, dass die sprachliche, geistige und soziale Entwicklung der Kinder umso besser verläuft, je früher sie ein Implantat erhalten. Säuglingen werden die Geräte deshalb teilweise schon ab dem vierten Lebensmonat implantiert.

Im Gegensatz zu einem Hörgerät verstärkt ein Cochlea-Implantat keine Schallwellen. Zentraler Bestandteil eines CI sei vielmehr ein direkt in die Hörschnecke eingeführter „Elektrodenträger“, erklärt der Deutsche Schwerhörigenbund (DSB). Ein individuell angepasster Sprachprozessor außen am Kopf wandelt die Töne in elektrische Signale um. Eine Sendespule auf der Kopfhaut überträgt die Signale an das Implantat direkt unter der Kopfhaut. Dort werden sie entschlüsselt und über die Elektroden in die Hörschnecke (lateinisch: Cochlea) ins Innenohr geleitet.

Etwa 5.000 Implantate jährlich

Nach inoffiziellen Schätzungen werden laut Deutschem Schwerhörigenbund in Deutschland derzeit pro Jahr rund 5.000 Cochlea-Implantate eingesetzt. Mittlerweile kann nahezu jede zweite HNO-Klinik in Deutschland diese Operation durchführen. Das Risiko des Eingriffs, bei dem das Implantat eingesetzt wird, ist mit anderen Ohroperationen vergleichbar. Dauerte die Operation in den Anfangsjahren noch vier Stunden, so ist heute im Schnitt nur eine Stunde erforderlich.

Dünnere und beweglichere Materialien haben die Gefahr deutlich verringert, dass beim Einführen der Elektroden in die Hörschnecke die Haarzellen im Innenohr geschädigt werden und ein noch vorhandenes Restgehör möglicherweise unwiederbringlich verloren geht. Trotz verbesserter Technik garantieren die elektronischen Innenohr-Prothesen nicht in jedem Fall ein befriedigendes Hörerlebnis. Entscheidend ist hierfür zum großen Teil die noch vorhandene Leistung des Hörnervs.

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Onlineinformationen der Deutschen Cochlea Implantat Gesellschaft unter www.dcig.de ff. und dem Deutschen Schwerhörigenbund unter https://www.schwerhoerigen-netz.de/fileadmin/user_upload/dsb/Dokumente/Information/Service/Ratgeber/Ratgeber8_Das_Cochlea_Implantat.pdf (alle aufgerufen im Juli 2019)